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Die Herodes-Dynastie

Wer an Könige in Zusammenhang vom Neuen Testament denkt, dem fällt sofort folgendes ein:Matth.2, 1: „Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem […]“ 
3 x „König Herodes“
Was nur wenige wissen: im Neuen Testament werden drei unterschiedliche Männer so genannt!
Wie das?
Die Nachkommen der Herodes-Dynastie haben sich meist durch einen Namenszusatz unterschieden. Bei drei von ihnen haben die Schreiber der Bibel ihn entweder nicht übernommen wurde, oder er war zu der Zeit noch nicht gebräuchlich. 
Folgende Personen werden nur „Herodes“ genannt:
Ø        Herodes I, oder der Große (Mt.2), der Begründer der Dynastie
Ø        Sein Sohn Herodes (Mk.6 und Luk. 23), der erst später den Zusatznamen Herodes Antipas bekam.
Ø        Sein Enkel Herodes (Apg.12), der als Agrippa I in die Geschichte einging. 
In allen drei Fällen steht in der Bibel der Name „Herodes“, und nur der zeitliche Zusammenhang zeigt, um welchen der drei es sich handelt. 
Aber damit nicht genug: insgesamt werden im Neuen Testament nicht weniger als 7 Nachkommen von Herodes namentlich erwähnt: 

7 x Herodes-Nachkommen

Neben Herodes dem Großen sind das:

Ø        4 seiner Söhne:

o         Archelaus (Mt.2,22),

o         Herodes, der später Antipas genannt wurde (Mk.6 + Luk.23),

o         zweimal Philippus (Luk.3,1; der andere Philippus Boethos Mt.14,3f - zwei Söhne hießen gleich, waren aber Halbbrüder).

 Ø        Dann ein Enkel,
          o         Herodes Agrippa I (Apg.12).
Ø        Und noch zwei Urenkel,
          o         Agrippa II. (Apg.25+26). 
          o         Berenike. (Apg.25,13)


          Allgemeines zu den Herodes-Königen
Eigentlich waren sie gar keine „echten“ Könige. Israel war von den Römern besetzt. Die „Könige“ waren deshalb eigentlich nur sog. „Vasallenkönige“: von den Römern eingesetzte Männer, die von der Bevölkerung als Handlanger Roms angesehen wurden.
Noch aus einem weiteren Grund wurden Herodes und Nachfahren nicht anerkannt: Herodes war Idumäer, Edomiter. Zwar Jude, weil die Edomiter ca. 150 v.Chr. zwangs-Judaisiert wurden, aber eben kein Nachkomme der 12 Stämme Israels.


        Herodes I, oder der Große

Er wurde „der Erste“ genannt, weil er der Gründer dieser Herodes-Familie war. Er wurde auch „Herodes der Große“ genannt, weil er als König sehr erfolgreich war. Zitat:

Er war einer der erfolgreichsten Herrscher über das jüdische Volk. Während seiner Herrschaft erreichte Judäa einen vorher nicht gekannten Glanz.

Sein Königreich war fast identisch mit dem heutigen Staatsgebiet von Israel: er war König über Jerusalem, gleichzeitig über ganz Judäa, Galiläa und Samarien und auch noch über andere Gebiete.

Außerdem machte er sich z.B. auch als Bauherr von großen Projekten einen Namen: Die Festung Masada; eine damals ganz neue Stadt Cäsarea maritima;  Herodion, Festungs- und Palastanlage 12 km südlich von Jerusalem, wo erst 2007 sein Grab gefunden wurde; er baute in Jerusalem die Burg Antonia, in der Jesus verhört und verurteilt wurde; Und vergrößerte den Tempel, von dem heute nur die westliche Stützmauer für das Plateau erhalten ist, die sog. Klagemauer.

 Herodes wurde abgelehnt vom Volk. Die Folge war: Angst. Sein Vater wurde durch einen Giftanschlag getötet. Und Herodes lebte in ständiger Furcht vor Anschlägen. Sehr sehr viele Menschen hat er deshalb hinrichten lassen. Unter anderem auch seine zweite Frau. Er hatte übrigens 10 Frauen. Die zweite tötete er. Auch ihre Mutter. Und seine beiden Söhne von dieser Frau. Aus Angst, dass sie die Mutter rächen.   Das war vermutlich der Tiefpunkt seines bisherigen Lebens. Im Jahr 7 vor Christus war das.  Kurze Zeit danach war es wohl, dass Magier ihn besuchten und sagten: „Es ist ein neuer König geboren! Wir haben seinen Stern gesehen!“Schon wieder jemand, der gegen ihn war. Wieder die Angst, dass ihn jemand bekämpfen wird. Seine Reaktion ist bekannt: er ließ alle Jungs aus Bethlehem und seinem ganzen Gebiet töten, die zwei Jahre und darunter waren. Vergeblich: die Familie von Josef war schon in Ägypten in Sicherheit.Was seine Angst nicht kleiner werden ließ: gleich danach plante sein erstgeborener Sohn Antipatros einen Mordanschlag gegen ihn. Auch er wurde hingerichtet. Und zwar im Jahr 4 v.Chr.Zu dieser Zeit war Herodes schon länger angeschlagen: er litt an einer chronischen und schmerzhaften Krankheit, und wusste, dass sein Tod bevorstand. Er wusste aber auch, dass die Trauer um ihn nicht sehr groß sein würde. Sein Volk mochte ihn nicht. Seine Ex-Frauen mochten ihn nicht. Vor seinen Kindern musste er sich hüten. Der verzweifelte Versuch eines einsamen Menschen: Kurz vor seinem Tod ließ er die angesehensten jüdischen Männer in der Rennbahn in Jericho einschließen. Sein Plan war, sie bei seinem Tod ermorden zu lassen. Damit die Juden bei seinem Begräbnis weinen würden. Wenn schon nicht um ihn, so wenigsten wegen ihm. Seine Schwester vereitelte diesen Plan und befreite die Männer. Im Jahr 4 v. Chr., 69 Jahre alt,  stirbt Herodes der Große.  

Reichsteilung unter drei Söhne von Herodes I
Nach dem Tod von Herodes dem Großen kam es zu einer Reichsteilung: das Gebiet wurde aufgeteilt unter drei von seinen Söhnen:

Ø        Herodes Archelaus: er bekam Judäa und Samaria. Aber: er regierte nicht erfolgreich. Nach 6 Jahren berief ihn der Kaiser ab, zog sein Vermögen ein und schickte ihn in Verbannung. Danach regierte in Judäa und Jerusalem bis zum Jahr 41 (da wurde Herodes Agrippa I wieder König) kein Herodes. Sondern: der Kaiser setzte Römer als Statthalter ein. Der bekannteste ist der 5. Statthalter: Pontius Pilatus.

Ø        Herodes Philippus: (Luk.3,1) er bekam Golan und ein paar andere Gebiete. Er taucht nur in einem einzigen Vers der Bibel auf.

Ø        Herodes Antipas. Regierte über Galiläa. Wurde bekannt als der Mann, der Johannes den Täufer köpfen ließ (Mk.6) . Grund dafür war, dass Johannes den doppelten Ehebruch von Herodes kritisierte: er war in die Ehe seines Halbbruders Herodes Phillipus Boethas eingebrochen und dessen Frau Herodias geheiratet. Und er hat deswegen seine eigene Frau verstoßen, weshalb sein Ex-Schwiegervater, der arabische König Aretas IV, einen kleinen Krieg angezettelt hat. Jesus hat ein Gespräch mit ihm verweigert (Luk.23,9). Sein Ende: er ging auf Betreiben wieder von Herodias nach Rom, um den Königstitel zu erhalten. Aber sein Neffe brachte schwere Anklagen gegen ihn vor. Daraufhin wurde er nach Südgallien verbannt, wo er auch starb.


Der Neffe, der ihn anklagte, hieß

Herodes Agrippa I.

Ein Enkel von Herodes dem Großen. Sein Vater war Aristobulos, einer der drei Söhne, die von Herodes selbst hingerichtet wurden. Er wurde in Rom erzogen. Zu seinen Sandkastenfreunden gehörte u.a. der spätere Kaiser Claudius. Durch diese guten Kontakte wurde ihm nach und nach die Verwaltung der Gebiete seiner Onkels übertragen: er hat nicht nur über Galiläa geherrscht, sondern wurde auch wieder König über Judäa. Sein Reich war am Ende so groß wie das ursprüngliche Gebiet von Herodes dem Großen.In Apg.12 wird berichtet, dass er Glieder der Gemeinde in Jerusalem misshandeln ließ. Jakobus ließ er enthaupten. Auch Petrus setzte er gefangen (ein Engel hat ihn wieder befreit). Das Ende von Herodes Agrippa wird ebenfalls Apg.12 berichtet: weil er Gott nicht die Ehre gab, starb er von Würmern zerfressen im Alter von 54 Jahren.

Als Herodes Agrippa I starb, war sein Sohn mit 17 Jahren noch zu jung, um die Nachfolge zu übernehmen. Deshalb fiel die Herrschaft an seinen Bruder, Herodes von Chalkis, der auch die Tochter von Herodes Agrippa, also seine Nichte Berenike, heiratete. Herodes von Chaklis wird im Neuen Testament nicht erwähnt. Nach seinem Tod im Jahr 48 übernahm dann der inzwischen 21-jährige Sohn von Herodes Agrippa I, nämlich Agrippa II., die Königswürde.


           Herodes Agrippa II.

In Apg.25 und 26 wird berichtet, dass er von Paulus bei dessen Verteidigungsrede ziemlich direkt angesprochen wurde. Agrippa sagt den bekannten Satz: „Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden und einen Christen aus mir machen.“ (Apg.26,28). Das war gleichzeitig der letzte Anlass, bei dem im Neuen Testament über einen König aus Israel berichtet wird. Herodes Agrippa II. versuchte erfolglos, den Jüdischen Krieg (66–70/73 n. Chr.) gegen die Römer durch Verhandlungen zu verhindern. Nach dem Krieg begleitete er den römischen Feldherrn und späteren Kaiser Titus nach Rom, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 97 n. Chr. lebte.

  

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